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Bericht im Murnauer Tagblatt Experten schätzen Lage ähnlich ein

14.05.2016

Podiumsdiskussion

Professoren Wolfgang M. Heckl und Markus Vogt sind sich einig, dass sich die Lage in Sachen Umwelt zuspitzt

Murnau – Die Menschheit befindet sich in Sachen Umweltschutz und Klimawandel in einer Umbruchsituation, und weiß noch nicht, was noch alles auf sie zukommen wird. Ihre Zukunft wird jedoch sicherer, wenn Wissenschaft und Spiritualität zusammenarbeiten. Dies ist eine der maßgebenden Erkenntnisse einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion unter dem Thema „Über die Sorge um das gemeinsame Haus", die auf Initiative der evangelisch-lutherischen und der
katholischen Kirchengemeinde sowie „MurnauMiteinander" im Kultur- und Tagungszentrum organisiert worden war.

 

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Hintergrund des Zusammentreffens von Professor Dr. Wolfgang M. Heckl, Generaldirektor des Deutschen Museums in München, und Professor Dr. Markus Vogt, der an der Ludwig-Maximilian-Universität einen Lehrstuhl für christliche Sozialethik hat, war die im Juni 2015 erschienene Umwelt-Enzyklika „Laudato si" von Papst Franziskus. Wie erwartet, beleuchteten die beiden prominenten Gesprächsteilnehmer zwar die anstehenden Probleme aus ihren jeweils fachlichen Blickwinkeln, lagen aber in der Einschätzung, dass sich die Lage in Sachen Umwelt permanent zuspitze, dicht beisammen. 

„Der Text der Enzyklika ist enorm gut lesbar und in einer sehr bildhaften, sehr anschaulichen Sprache verfasst" , erklärte Vogt.„Er enthält viele Grundinformationen und will Sie neugierig machen", wandte er sich an die etwa 200 Zuhörer.

Die Kernbotschaft der Enzyklika fasste er wie folgt so zusammen: „Die Zeit drängt, die Weichen zu stellen und der Zerstörung entgegenzuwirken. Der Text stellt eine radikale Abkehr vom Bibelzitat ‚Macht euch die Erde untertan' dar." Es benötige eine ökumenische Bündelung der Kräfte, um diese umzusetzen. Allerdings sei eine globale Partnerschaft nicht möglich, ohne die Gerechtigkeitsfrage zu stellen. „Der Papst fordert ein Umdenken des Völkerrechts, ein vernetztes komplexes Denken", sagte er weiter, „Eigentum ist gemeinwohlpflichtig."
Ein großes Problem sei, dass viele Menschen beim Umweltschutz über theoretisches Wissen verfügten, aber dieses aus ihrem Alltag verdrängten. Eine Absage erteilte Vogt dem Zeitgeist: „Ein einfaches Leben ist ein gelungenes Leben, besser als ‚höher, schneller, weiter'."

Die Erkenntnisse, die der Mensch über die Naturgesetze erlangt habe, seien zwar wunderbar, aber sehr beschränkt, stellte Diskussionspartner Heckl klar. Beim G7- Gipfel in Elmau im vergangenen Jahr habe er versucht, den Politikern die Schönheit der Natur ringsum näherzubringen.
„Ich habe sie aufgefordert, mal hinauszuschauen. Dass die Blume dort wächst, ist ein Wunder, und das sage ich ihnen als Nano-Wissenschaftler: Es gibt ein göttliches Prinzip, nämlich das der Selbstorganisation." 

Der Biophysiker gab sich als großer Verfechter des Recyclings zu erkennen: „Die Natur weiß, wie sie die Stoffe, die sie verwendet, wieder in den Kreislauf zurückschicken kann." Er selbst sei ein begeisterter Bastler, der zu Hause alle möglichen Elektrogeräte repariere. Als Beweis zog er einen alten Fön aus Bakelit aus der Tasche: „Den habe ich auch schon repariert". Bereits als Kind habe er durch die Fernsehsendungen von Dr. Bernhard Grzimek gelernt, wie fragil die Natur sei, und wie gefährdet durch die Eingriffe des Menschen, fügte er hinzu. In der Diskussion mit dem Publikum ging es unter anderem um ökologisch bewusstes Einkaufsverhalten, das System des auf permanenten Wettbewerb ausgerichteten Kapitalismus und um die Chance, diesen in eine ökologisch-soziale Marktwirtschaft umzuwandeln. „Der Klimawandel ist das größte Marktversagen der Menschheit" , bilanzierte Heckl. „Das Dumme ist: Es geht uns zu gut dabei, um die Notwendigkeit zu sehen."

heino herpen


Die Enzyklika, die an diesem Abend rasch vergriffen war, liegt demnächst in der katholischen und evangelischen Pfarrei auf.