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Bericht im Murnauer Tagblatt: Poetry Slam

22.05.2017

Jugendliche Dichtkunst

DIE DREI GEWINNER: (V. L.) LUISE KWAK (1. PLATZ), PHILIPP MÜHLBAUER (2. PLATZ) UND ALEXANDER SCHREDER (3. PLATZ). FOTO: BERGER

Poetryslam feiert Premiere – Luise Kwak (17) gewinnt Wettbewerb

Murnau – Die Murnauer Jugend schien nur darauf gewartet zu haben. Nicht anders lässt es sich erklären, dass der Vortragssaal des Schloßmuseums schier aus allen Nähten platzte. Dicht gedrängt saßen und standen die Neugierigen, um beim ersten Poetryslam, der im Zuge der Murnauer Kulturwoche stattfand, dabei zu sein. Mitorganisator und Entertainer Stefan Korfermeyer aus dem Erlhaus heizte das junge Publikum mit seiner Moderation an. Zusammen mit der Murnauer Band „Geistiger Unrat" sorgte er für Stimmung. Außerdem holten die Veranstalter einen besonderen Ehrengast auf die Bühne. Die professionelle Slammerin Meike Harms, die 2014 die Bayerische Meisterschaft gewann, legte mit ihren wortgewitzten Texten die Messlatte ganz oben an.
Dann ging es ans Eingemachte. 13 mutige Teilnehmer aus Murnau und Umgebung hatten ihre Namen in einen Strohhut geworfen. So bestimmte das Zufallsprinzip die Reihenfolge der Auftritte. Die waren fast alle eher weitsichtig und gesellschaftskritisch angelegt. Das Publikum durfte schließlich seinen Favoriten wählen. Mit klarer Mehrheit gewann die 17-jährige Luise Kwak aus Weilheim den nagelneuen Wanderpokal. Die Schülerin des Staffelsee-Gymnasiums war dort im Februar bei einem Lyrikabend aufgetreten und machte anschließend auf Youtube die Runde. Ihr oblag der erste Auftritt. Mit ihrem Gedicht „Screenshot", in dem es um Kindersoldaten im Südsudan und die Verantwortung Deutschlands mit seinen Waffenexporten ging, traf sie einen Nerv. Sie darf von nun an für ein Jahr den Titel Murnauer Slammeister tragen. Der zweite Platz ging an den 13-jährigen Phillip Mühlbauer. Der taffe Achtklässler besucht die Murnauer Realschule. Er vertrat seine Schule gebührend mit seinem Gedicht „Schlechte Gedanken". Seine glockenklare Stimme, die auf zutiefst poetische Weise die Ohnmacht in einem Stimmungstief beschrieb, ging mitten ins Herz.
Alexander Schrader belegte mit seinem „Gedankensturm" den dritten Platz. Er stellte Fragen an die Zukunft und definierte Sorgen, wie sie wohl allen Jugendlichen, die vor einem Umbruch stehen, im Kopf umhergehen. Sein Gedicht endete mit dem Appell, sich keiner Strömung anzuschließen, sondern einfach an sich selbst zu glauben.
Dr. Dieter Kirsch, Hauptorganisator und kulturelle Seele von Murnau Miteinander, hatte eine derartige Veranstaltung schon seit längerem im Sinn. „Es ist eine große Herausforderung, mit Sprache umzugehen." Deshalb soll der Poetryslam von nun an jedes Jahr zur Kulturwoche stattfinden.

Beate Berger / Murnauer Tagblatt vom 22.05.2017