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Kindertoper GOLD - Bericht im Murnauer Tagblatt

13.11.2018

Grandios: Camilla Lehmeier und Fabian Kluckner erzählen die alte Geschichte
vom Fischer und seiner Frau auf neue Weise. Foto: Riesenhuber

Murnau – Wenn die Wellen des Meeres höher und höher
schlagen, fangen die Kinder an zu kichern. Und sie werfen die
Arme in die Luft. So jedenfalls beim Gastspiel der Kinderoper
„Gold" vom Tiroler Landestheater aus Innsbruck. Murnau Mit-
einander hatte diese Produktion – mit vielfältiger Hilfe und
unter Federführung des theaterbegeisterten Dieter Kirsch –
nach Murnau geholt. In der großen Aula des Staffelsee-
Gymnasiums war ein kleiner blauer Theaterraum hineinge-
baut worden. Die fast 100 Zuschauer, groß und klein, die ge-
kommen waren, um das Märchen von Jakob und seinem
Wunderfisch zu sehen, passten so gerade mal hinein.

Es sei wichtig, dass Kinder früh die Erfahrung mit gutem Thea-
ter machen können, betonte Kirsch. Und wenn sie mit drei
Jahren bereits ein Handy entsperren können, warum sollten
sie dann nicht mit sieben ihre erste Oper sehen? Die Begeiste-
rung, mit der die Kinder der Handlung folgten, zeigte, dass er
richtig liegt. Das Stück von Flora Verbrugge (Text) und Leo-
nard Evers (Musik) erzählt die alte Geschichte vom Fischer
und seiner Frau auf neue Weise. Jakob, der Sohn, fängt einen
Fisch, der verspricht, ihm seine Wünsche zu erfüllen, wenn er
ihn zurück ins Meer wirft.
Das tut Jakob auch – und zwar ganz ohne Wunsch. Später
aber fällt ihm ein, dass ein paar Schuhe doch ganz schön wä-
ren. Aber wenn man erst einmal anfängt zu wünschen, dann
denkt man, es könnte doch noch ein bisschen mehr sein. Ir-
gendetwas scheint immer zu fehlen, um wirklich glücklich zu
sein. Dabei sind es vor allem Mama und Papa, die sich immer
mehr Luxus wünschen und dafür sorgen, dass der Fisch im-
mer kleiner und farbloser wird. Camilla Lehmeier und Fabian
Kluckner zeigen diese Geschichte. Eine Erzählerin und ein Mu-
siker, der hin und wieder mitspielt – etwa, wenn es im großen
Palast mit seinen langen Fluren ein Echo braucht. Lehmeier
erzählt, spielt und singt. Sie beginnt ganz lässig aus der Reihe
der Kinder heraus – und wenn sie singt, wird es tatsächlich
ein bisschen opernhaft. Allerdings ist die Aufführung immer
wieder gebrochen – und das auf sehr lockere Art.
Das Publikum wird angesprochen, darf mitmachen, wenn es
darum geht, das Meer darzustellen. Gespielt wird mit weni-
gen Requisiten, ein paar Stühlen, leuchtenden Würfeln, die im
Publikum stehen. Der Fisch ist eine Taschenlampe in Form ei-
ner Dose. Und in der Mitte der Szene steht das große hölzer-
ne Marimbaphon neben einigen anderen Perkussionsinstru-
menten, auf denen gespielt wird. Eine Inszenierung voller Ge-
fühl und Einfälle (Regie: Mareike Zimmermann), ein virtuoses
Spiel mit mitreißenden Akteuren. 150 Kinder aus den
Murnauer Grundschulen hatten die Gelegenheit, diese Kin-
deroper mitzuerleben. Und vielleicht bleibt die Fabel vom
Wünschefisch und die Erkenntnis, dass man vielleicht doch
nicht immer mehr haben muss, um glücklich zu sein, ja eini-
gen von ihnen im Gedächtnis.

HERIBERT RIESENHUBER

Murnauer Tagblatt vom 13.11.2018