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Exkursion in die energieautarke Gemeinde Wildpoldsried

28.10.2017

Vom Kuhdorf zur ökologischen Vorbildkommune -
Bericht von der Murnauer Exkursion zur energieautarken Gemeinde Wildpoldsried


Die Besucher kommen aus Äthiopien, aus China und aus den USA - und aus Murnau: das kleine Dorf Wildpoldsried im Oberallgäu ist längst weltweit bekannt. Denn die Gemeinde mit rund 2 600 Einwohnern produziert inzwischen 7 mal soviel Energie wie sie selbst verbraucht und ist daher ein begehrter Standort für innovative Firmen, die sich mit Energie oder Batterietechnik befassen. Siemens kooperiert seit Jahren mit der Gemeinde nahe Kempten und entwickelt zusammen mit der Hochschule Kempten und der RWTH Aachen die Smart-Grid-Infrastruktur. Smart-Grid heißt die intelligente Steuerung und Vernetzung von Energieerzeugern mit Energieverbrauchern.
Günter Mögele, der zweite Bürgermeister von Wildpoldsried empfing die Gruppe im Ortszentrum, einem schön gestalteten Platz mit Kirche und Wirtshaus, das von der Gemeinde betrieben wird. Ein zweites ehemaliges Gasthaus wurde für 12,5 Millionen Euro umgebaut und erweitert. Darin ist jetzt nicht nur ein Ökologisches Bildungszentrum, sondern auch ein großer Saal für Veranstaltungen, ein Kulturtreff und ein gemeindeeigenes Hotel mit 50 Zimmern für die zahlreichen Energie-Interessierten, die hier her kommen, untergebracht.
In seinem Vortrag hat Günter Mögele berichtet, wie 1996 ein neuer Gemeinderat gewählt wurde, der sich nach der Wahl zur Klausur getroffen hat, um Wünsche, Veränderungsideen und Ziele zu sammeln, „wo jeder auch mal spinnen konnte" , so der zweite BM. Im aktuellen Gemeinderat, der aus 7 CSU – Mitgliedern und 7 Freien Wählern besteht werde viel diskutiert, aber es gebe keine „Fraktionskämpfe", jeder stimme für sich bzw. für die Sache ab. Dass dieses kleine Dorf mit seinem kreativen und innovativen Energiekonzept jemals so erfolgreich sein würde, hätte sich damals niemand träumen lassen.


Günter Mögele stellte das ökologische Energiekonzept von Wildpoldsried vor. Es besteht aus Biomasse, Wasserkraft, Windkraft, Photovoltaik und heimischen Rohstoffen. Die erfolgreiche und effiziente Nutzung aller Bestandteile sorgt seit Jahren für eine Überproduktion von Energie. Mit der Erkenntnis, dass ein Großteil aller kommunalen Kosten für Energie anfallen ( Auto + Strom + Heizung), hat sich die Gemeinde entschieden, die Erzeugung in der Region auszubauen, um auch die Wertschöpfung in der Region lassen.


Anfang waren viele Einwohner skeptisch, wie das alles funktionieren soll. Aber im Laufe der Jahre hat die Gemeinde, die mit Vorbildcharakter über ein modernes regenernatives Heizsystem alle öffentlichen Gebäude und auch private Häuser versorgt, viel Überzeugungsarbeit geleistet. Und sie hat auch den Bürgerinnen und Bürgern klar gemacht, dass sie mit eigener Stromerzeugung über das EEG ( Erneuerbare Energiegesetz) Geld verdienen können. Das war bis zur Änderung des EEGs 2016 möglich. Insgesamt hätten die rund 2 600 Einwohner zusammen mit den ortsansässigen Firmen innerhalb von 20 Jahren rund 40 Millionen Euro investiert – auch in die Windräder, die nur über Bürgerbeteiligung finanziert werden, berichtete Mögele.


Nach dem Mittagessen zeigte der zweite Bürgermeister im Dorf einige Gebäude wie den Kindergarten mit Krippe, die Schule und die große Turnhalle mit Freizeit Areal - alles zum Großteil aus Holz gebaut und finanziert mit den Gewinnen der Energieerzeugung. Leider war es am Nachmittag nicht möglich, die Firma Sonnen GmbH zu besuchen, wie es laut VHS Programm vorgesehen war. Die Gruppe stand vor verschlossener Tür. Das Unternehmen entschuldigte sich telefonisch, trotzdem waren einige der Gruppe enttäuscht, dass dieses weltweit führende Unternehmen in Batterietechnik nicht zugänglich war.
Rund 30 Interessierte waren auf Einladung der Volkshochschule Murnau, des Teams 6 von "Murnau miteinander" und des Umweltreferates mit dem Bus nach Wildpoldsried gefahren. Mit dabei Karl Steingruber, Leiter der Murnauer Gemeindewerke, der schon das zweite Mal nach Wildpoldsried kam, der Murnauer Klimamanager Patrick Fierhauser und als einziger der 24 Murnauer Gemeinderäte Reiner Oppelt von „mehr bewegen". Dafür war mit Walter Haug ein Gemeinderat aus Riegsee und mit Wolfgang Greza ein Gemeinderat aus Huglfing dabei. Auch die privaten Teilnehmer kamen nicht nur aus Murnau sondern aus Seehausen, Bad Kohlgrub, Riegsee, Eglfing, Huglfing, Oberhausen, Großweil, Raisting, Weilheim und Bernried.
Murnau, 29. Oktober , Angela Braun

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